"Tödliche Wasser"

RÜCKBLICK AUF DIE 2. KRIMITAGE HEIDELBERG 2009 (2. - 4. Juli 2009)

„Wasser“ war das beherrschende Thema der Heidelberger Krimitage: Unter dem Titel „Tödliche Wasser“ gab es drei Tage lang Autorenlesungen, gemordet wurde mit, in und wegen Wasser. Bei der Podiumsdiskussion im Deutsch Amerikanischen Institut (DAI) wurde thematisiert, worum es auch geht: Das Unterhaltungsgenre Kriminalliteratur eignet sich ausgezeichnet, um aktuelle politische Debatten aufzugreifen.Krimitage Heidelberg 2009 - Lesung im DAI

Man schreibt das Jahr 2013. „Du bist an allem schuld!“ Das sind die Worte des Attentäters, dann hört der Oberbürgermeister nur noch Stille. Er ist tot. Im nächsten Kapitel stehen Menschen an Wasserausgabestellen Schlange, Wächter kontrollieren den Verteilungskampf um das kostbare Nass. Gründe für Chaos und Mord sind die Privatisierung der Wasserversorgung und Cross-Border-Leasing. Das sind die Themen in Walter Landins Krimi „Ein lukratives Geschäft“ und bei „Fremde Wasser“ von Wolfgang Schorlau.

Spannend sind die Geschichten hinter der Geschichte

„Über das kriminalistische Hand werk transportieren wir Themen, die man unter die Leute bringen will“, sagt Schorlau, dem ein Politthriller gelungen ist, ganz dicht dran an der gesellschaftlichen Realität. „Es geht hier nicht nur um Wasserleichen, sondern das Buch hat eine politische Dimension“, ergänzt Landin. Mit dabei in der Runde sind auch Nikolaus Geiler vom „Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz“ und Joachim Schultis, ehemaliger Erster Bürgermeister der Stadt Heidelberg.

Wasser ist ein kostbarer Rohstoff, der globale Machtkampf darum gewinnt an Brisanz. In Krisenzeiten suchen Kommunen dringend Einnahmen. Wird öffentliche Infrastruktur an Konzerne verkauft, dann kommt Geld in die Kassen: Wasser wird ein Gut wie jedes andere – und man kann gute Geschäfte damit machen.

„Es ist die Geschichte hinter den Geschichten, die es spannend machen“, meinen die Autoren. Bei seiner Recherche habe er feststellen müssen, dass überall da, wo Wasserrechte über PPP-Modelle (Public Private Partnership) als gemischt wirtschaftliches Unternehmen geführt seien, Investitionen in die Infrastruktur gedrosselt würden, Personalabbau stattfinde und „nach einer gewissen Schamfrist der Wasserpreis für die Verbraucher steigt“, so Schorlau. Auch Joachim Schultis warnt davor, Entscheidungen zur Wasserversorgung einer Stadt nur einem Gemeinderat zu überlassen: „Bürgergruppen" müssen mit aufpassen, damit keine Begehrlichkeiten geweckt werden.

Eine aufgeweckte Diskussionsrunde mit den Gästen der Veranstaltung vertiefte das Thema „Wasser“ mit all seinen politischen Facetten. Vielleicht, so heißt es auch, müssten Mittelwege gefunden werden, sollten Kompromisse sich den gesellschaftlichen Entwicklungen anpassen.

Kässpatzen statt Sushi

„Im, für und mit Wasser wird gemordet“, schreibt Stefan Schöbel, Inhaber der gleichnamigen Buchhandlung und Veranstalter der zweiten Heidelberger Krimitage, in seinem Vorwort zu der Veranstaltung „Tödliche Wasser“. Das bewiesen jetzt eindrucksvoll mehrere Autoren und Autorinnen in ihren Lesungen am Samstag im Karlstorbahnhof mit einem bunten Finale. Hier standen Lesungen, unter anderem mit Carlo Schäfer, auf dem Programm sowie die Verleihung der Preise des Kurzkrimi-Wettbewerbs. Die Preisträger sind Hans-Joachim Heider, Achim Stegmüller und die Autorengruppe "Schreibrausch".

Zuvor jedoch unterhielten Volker Klüpfel und Michael Kobr das Publikum, das sich zum großen Teil als eingeschworener Fan von Kommissar Kluftinger entpuppte. Der Polizist ohne Vornamen löst in seinem dritten Fall „Seegrund“ ein Verbrechen, dessen Schlüssel zur Lösung auf dem Grund des sagenumwobenen Alatsees liegt.Krimitage 2009 Heidelberg - Lesung von Klüpfl und Kobr im Karlstorbahnhof

Genauso professionell wie die beiden Allgäuer schreiben geht auch ihre Lesung über die Bühne. Das eingespielte Team liest und unterhält abwechselnd, wirft sich Stichworte zu und improvisiert. Dabei erfahren die Zuhörer etwas über die Seelenlage des betulichen Allgäuer Kommissars, die einer ganz eigenen Komik nicht entbehrt, über seine Vorliebe für Kässpatzen und seine Abneigung gegen Sushi, über den hilflosen Umgang mit der digitalen Technik des eigentlich ungewollten Handys und die barsche Abneigung gegen eine ärztliche Untersuchung.

Ein humorvoller Krimi mit regionalem Touch, geht das denn? Es geht, denn das Autorenduo kann sich über mangelnde Resonanz nicht beklagen. Das fünfte Buch mit Kommissar Kluftinger ist schon in Arbeit. Und immerhin hat der Kommissar schon eine eigene Homepage, in der er nicht nur Ausflugstipps für das Allgäu gibt, unter anderem zu seiner Arbeitsstätte in Kempten, sondern auch seine Lieblingsrezepte verrät, natürlich regionale Spezialitäten wie Kässpatzen.

Dass, wer Erfolg hat wie die beiden Krimiautoren, auch mit Kritik rechnen muss, trugen die Profis in Form von Leserbriefen vor. Sowohl dem Vorwurf der für einen Roman unzulässig benutzten Umgangssprache („die Tür ist nicht fast zu, sondern angelehnt“) als auch dem des nicht genügend recherchierten juristischen Hintergrunds begegnete das Duo mit Charme. Es verwies darauf, dass nicht zuletzt wegen ihrer literarischen Vorgabe Kempten nun ein Polizeipräsidium hat. In dem residiert Kommissar Kluftinger nämlich schon seit Jahren.

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung vom 6.07.2009 (Maria Stumpf und Karla Sommer)

 

Im Rahmen der 2. Krimitage wurde ein Kurzkrimi-Wettbewerb, zu dem es 66 Einreichungen aus aller Welt (Deutschland, Italien, Schweiz, Italien, USA und sogar aus Japan) gab, ausgeschrieben.
Die Jury, bestehend aus Peter Johannsen, Claudia Senghaas und Thomas Wörtche, wählte die Beiträge von folgenden Autoren bzw. Autorengruppen aus: Hans-Joachim Heider, »Schreibrausch« und Achim Stegmüller.
Insgesamt 20 bekannte Krimiautorinnen und -autoren haben sich das Lebenselixier der Menschheit zum Thema ihrer ebenso spannenden wie abwechslungsreichen Kurzgeschichten gemacht, die in der Antologie „Tödliche Wasser“ erschienen sind.
Die Autoren im Einzelnen: Horst Bosetzky (-ky), Ulrich A. Büttner, Hans-Joachim Heider, Marcus Imbsweiler, Simone Knierim-Busch, Walter Landin, Angela Mohr, Thomas Pechar, Carlo Schäfer, Karin Schickinger, Friederike Schmöe, Harald Schneider, »Schreibrausch« (Autorengruppe), Achim Stegmüller, Günther Thömmes, Barbara Wenz.
Tödliche Wasser: Anthologie zu den Heidelberger Krimitagen. Hrsg. Wolfgang Burger; Marcus Imbsweiler, Stefan Schöbel. ca. 327 S. Gmeiner-Verlag, Meßkirch Juni 2009 ISB 978-3-8392-1024-6

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